Beller, von der Fläche her der kleinste Ort Brakels, hatte mal ein richtiges landwirtschaftliches Gut. Die Hofanlage, die bis 1994 bewirtschaftet wurde, liegt mitten im Dorf, Neue Straße 9. Dort erinnern alte Ställe und ein kleines Herrenhaus (mit der Türbalken -Inschrift „Larenz Frau“) an die Geschichte. Zuletzt waren hier die Patres vom Missionshaus St. Xaver in Bad Driburg landwirtschaftlich tätig.


Bekannt ist der Kauf des Gutes (früher ein Asseburger Besitz) durch Theodor Gunst aus Fritzlar im Jahr 1780. Die Familie wechselte 1820 nach Hembsen, übernahm dort das Gut Hembsen. Dann folgt dort Familie Gunst und zuletzt Familie von Kempski.


In Beller erscheint die Familie Georg als Gutsbesitzer (vorher Mühlenbesitzer bei Godelheim), die das Gut bis nach 1960 führt. Im Niekammer von 1931, dem Landwirtschaftlichen Adressbuch der Provinz Westfalen stehen diese Daten:
              Katharina Georg (Witwe): 65 ha LF (Landw. Fläche) / 6 Pferde, 20 Kühe, 41 Schweine.
Der Betrieb hatte einen Fordson-Traktor und verfügte über einen Elektromotor. Das war für diese Zeit schon sehr fortschrittlich. Über den letzten Georg und seine Hofhaltung (bis 1967) kann man im Ort noch etwas hören.


Mit den Partres vom Missionshaus St. Xaver Bad Driburg begann ein ganz neuer Abschnitt für das Anwesen. Der Orden wurde 1875 in Steyl (Stadtteil von Venlo in Holland) gegründet. Arnold Janssen war bis 1909 Generalsuperior. Der Orden legte großes Augenmerk auf Missionswissenschaften und Völkerkunde. In St. Augustin (Kreis Siegburg) bei Bonn ist die Universität der Steyler Missionare.   


Durch den Ordensbruder Hugo Wehr, der um 1945 Seelsorger von Beller war, gab es eine direkte Verbindung zur Familie Georg, denn bei ihr wohne er bei seinen Aufenthalten in Beller.


Das Missionshaus St. Xaver in Bad Driburg (Kommunität des Ordens und Gymnasium mit Internat) war um 1960 in einer schwierigen Lage. Es ging um die Landwirtschaft zur Eigenversorgung: Einerseits waren täglich 300 bis 400 Personen zu beköstigen (vor allem Internatsschüler), andererseits brauchte die Stadt das Land für die Siedlungsentwicklung. Und so wurde das Gut Beller Ersatzhof für die verlorenen Flächen in Bad Driburg.


Am Karfreitag 1967 war der Kaufverkauf schließlich perfekt und die Regie lag nun bei den Brüdern des Ordens der Steyler Missionare. Die Leiter waren: Bruder Andreas, Bruder Paulinus, zuletzt Bruder Ludgerus mit Mitbruder Leonhard.

Im ersten Jahr musste noch viel Sommerfrucht in die Erde, weil der Vorbesitzer keine Herbstaussaat mehr machte.


Der Aufbruchszeit in der Landwirtschaft entsprechend wurde in den landwirtschaftlichen Betrieb investiert: Es wurde ein Kuhstall für 47 Kühe gebaut (der nur vier Jahre genutzt, bevor die Kühe wieder abgeschafft wurden). Auch ein Bullen- und Schweinestall mit Futtersilos entstanden neu. Zuletzt hatte der Betrieb nur noch die Bullenhaltung.

Über die Episode der Umgestaltung liegt eine Chronik bis 1972 vor, sie liegt im Missionshaus St. Wendel im Saarland.


1994 schließlich folgte das Ende der Geschichte des Gutes Beller:
Die interne Versorgung des Missionshauses war nicht mehr notwendig. Es gab keine Internatsschüler mehr in Bad Driburg und die Hausgemeinschaft des Ordens war auf 17 Personen geschrumpft, die meisten davon im Ruhestand. Auch Bruder Ludgerus und Leonhard hatten die Altersgrenze erreicht. Der St. Josefshof in Beller (so sein Name bei den Ordensleuten) wurde wieder verkauft.


Etwa 50 ha Flächen, vorwiegend Ackerland, und Hof wurden verkauft. Die Hofstelle ging an Herrn Vauth. Mehrere Flächen wurden über das Amt für Agrarstruktur anderen Landwirten zum Tausch vermittelt für künftige Überschwemmungsflächen nach dem Gewässerplan Nethe. Zwei einzelne Landwirte (in Hembsen und Bruchhausen) erhielten etwas und der Großteil der Fläche von fast 35 ha ging an Hermann-Josef Wäsche aus Drankhausen.


Heute verblasst die Erinnerung an diese umtriebige Zeit in der Landwirtschaft, in der es fast in jedem Dorf einen Gutsbetrieb gab. Da Beller eine bedeutende alte sächsische Siedlung ist, und die jeweiligen Herrschaften auch einen dinglichen Hof hatten, kann es sein, dass noch mehr Informationen gefunden werden. 


Zum Schluss noch dieser Hinweis:

Das Missionshaus St. Xaver in Bad Driburg wurde am 30. September 2008 aufgelöst. Seit 2001 ist das Erzbistum Paderborn Träger des großen und traditionsreichen Gymnasiums St. Xaver.


Mehrere Angaben sind der kurzen Beschreibung entnommen mit dem Titel: "St. Josefshof in Beller" vom 25.04.2008 von Pater Bruno Frey, SVD Bad Driburg.
SVD steht für lateinisch "Societas Verbi Domini", wörtlich: Gesellschaft des göttlichen Wortes, wie der offizielle Name der Steyler Missionare lautet. 

Hier die Mitteilung des Ordens vom 28.12.2006 über den Rückzug aus Bad Driburg nach 93 Jahren. Bereits 2001 hatte der Orden die Schultägerschaft dem Erzbistum Paderborn übergeben.


Hier zur Internetseite des Ordens der Steyler Missionare.

Beller u. Hembsen 06   In Bildmitte, vor der Kirche und noch als Hofareal erkennbar, liegt der ehemalige Hof Gut Beller.
Foto: Stadt Brakel, etwa 2006, leider nur in dieser groben Auflösung.
     
fleckner 1941  

Hinweis auf die besondere Missionstätigkeit, dem Hauptanliegen des Ordens, am Beipiel zweier Patres aus der Region:  

P. Johannes Fleckner, Foto links, 1911 (Beller) bis 2003 (St. Augustin), China-Missionar (15 Jahre um 1950) und Gelehrter

(vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Fleckner). Von Corinna Husemann aus Brakel gibt es den Artikel „Pater Johannes Fleckner, Chinamissionar und Gelehrter“ im Heft 15/1996 der Brakeler Schriftenreihe, S. 63-72. Dort verweist sie auf Bezüge in seinen Reisebeschreibungen zur Heimat im alten Nethegau.
Pater Johannes Flecker, hier als Chinamissionar 1941

Foto: Beitrag Corinna Husemann in Festschrift Engemann, Brakeler Schriftenreihe 15/1996.


P. Josef Sievers
, 1934 (in Maiwald/Schlesien, aufgewachsen ab 1945 auf dem Hof Sievers in Wiehorn 3 bei Tietelsen, den der Vater von seinem gefallenen Bruder übernommen hatte) bis 2019 (Siegburg)

Pater Sievers war 57 Jahre Missionar in Indonesien, auf der Insel Timor (West). Er hatte viele Aufgaben in dieser Zeit wie Provinzial der Ordensprovinz. Er war Spezialist für Verwaltung und Finanzen und als Dozent an der Universität in Kupang. Die Verteilung der Hilfsgelder nach der Tsunami-Flutwelle vom Dezember 2004 (mit 170.000 Toten allein in Indonesien) war eine seiner letzten Aufgaben. Er erlebte außerdem die die erfreuliche Entwicklung der Ortskirchen in Timor, die allesamt in Händen von indonesischen Diözesanpriestern sind. Die Verbundenheit mit der Heimat und der Familie war ihm stets wichtig. P. Sievers hatte 5 Brüder. (Quelle: Nachruf des Ordens vom Februar 2019).