Ein Überblick der Entwicklung der Fabrik

Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Landwirtschaft Fahrt auf suchte neue Wege aus der traditionellen Wirtshaft des kleinen regionalen Kreislaufes. Die Bemühungen für die Gründung einer Zuckerfabrik zogen sich mehrere Jahre hin, bis endlich 1882 die Zuckerfabrik AG gegründet wurde mit 180 Landwirten und 415 ha Anbaufläche. Die Lage am Bahnhof mit Gleisanschluss war eine wichtige Voraussetzung.  

Als 1884 die erste Kampagne lief, rieb sich mancher Chronist die Augen: Viele Felder so intensiv bearbeitet und gepflegt: Der Rübenanbau ging einher mit deutlicher Unkraut-Reduktion und die im Sommer blühenden Hederich-Getreidefelder gingen zurück.  

Der Fabrikbetrieb war ein wichtiger Baustein für die Wirtschaftsentwicklung: Arbeitsplätze, Handwerk und Handel kamen voran.

1905 gab es eine Erhöhung Kapitals und eine Dividende für Anbauer von5  5 % und mehr wurden erreicht. 1920 wurden auch freie Lieferverträge vergeben. Das half, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 1920er Jahre zu überstehen. Die Fabrik Brakel ging damals in Konkurs. Das Zuckerwirtschaftsgesetz von 1931 garantierte Basispreise und brachte Exportmöglichkeiten. 300 Arbeitsplätze waren in der in Kampagne eine wichtige Entwicklung.  

1970 kam es Gründung Interessensgemeinschaft bäuerliche Betriebe und das Aktienpaket kam wieder in die Hand der Anbauer.

Werk Warburg wurde 1972 Teil der Zuckerfabrik Franken in Ochsenfurt. Soest liefert nach Warburg, 1977 der Zusammenschluss mit der Südzucker Mannheim.  Damals wurden über 6.000 ha Rüben von 1.250 Produzenten angebaut, in der Fabrik gab 100 feste Arbeitsplätze und weitere 40 Saison in der Saison.

Vgl. Buch Peter Kohlschein mit Franz-J. Dubbi: und Voss Christian:

Süßes aus Warburg -  Zur Geschichte der Zuckerfabrik. 2005

 

Werk-Schließung 2019, der Kreis Altkreis Warburg in Aufruhr
Wie ein Donnerschlag Ende Januar 2019 kam Ankündigung des Zuckerkonzerns Südzucker Mannheim, als die Pläne zur Schließung des Werkes Warburg durchsickerten. Dahinter stand kein Schnellschuss, wie sich herausstellte, sondern ein Konzept zur Reduzierung des Zuckers in Europa unter neuen Marktbedingungen. Danach sollen zwei Werke in Deutschland (Warburg und Bottewitz), zwei in Frankreich und eines in Polen geschlossen werden. Dieses Konzept wurde schließlich am 25. Februar 2019 so beschlossen.

Es folgten Protestaktionen, wie  auf dem Kreisverbandstag in Brakel am 31. Januar 2019, mit der Versammlung der Rübenanbauer in Hohenwepel am 5. Februar und einer Busfahrt nach Mannheim zum Sitz der Südzucker am 25. Februar 2019 und weitere Aktionen der Bauern, der Verbände, unterstützt durch die lokale Politik. Bemerkenswert ist der geschlossene Widerstand der Bauern und ihre Aktionen wie Treckerkorsos, Mahnwachen und andere Gemeinschaftsmaßnahmen. Die Politik, allen voran der Warburger Bürgermeister Michael Stickeln und seine Amtskollegen, haben eine breite Allianz hergestellt, die in der Busfahrt mit vier Bussen und etwa 150 Personen nach Mannheim, dem Hauptsitz der Südzucker, gipfelte. Dort trafen sie auf weitere von den Plänen Betroffene, insgesamt demonstrierten 350 Menschen gegen die Pläne der Südzucker.

Zur Bedeutung der Fabrik – eine bedeutende Strukturveränderung

Die Zuckerfabrik Warburg ist seit 1882 eine gewachsene und über die Jahre etablierte Betriebsstätte und Markenzeichen für die Stadt geworden. Sie verarbeitet die Zuckerrüben der Bördelagen von Warburg, Soest und Umkreis Nordhessen. Bis 600.000 t Rüben wurden zu 80.000 t und mehr Zucker verarbeitet.

Diese Mengen werden mit immer weniger Anbaufläche erreicht, weil durch Züchtung und Anbautechnik die Erträge in den letzten 30 Jahren sich verdoppelt haben. So ist die Schließung von Werken auch ein Teil des Erfolges dieser Fruchtart. In Warburg geht es um den Wegfall von 60 ganzjährigen Arbeitsplätzen, betroffen sind 600 landwirtschaftliche Anbaubetriebe.

Für die Verarbeitung von Bio-Zuckerrüben war Warburg war bis 2017 das einzige Werk für diese Verarbeitungsschiene. Die Saison dafür lief etwa zwei Wochen vor dem allgemeinen Betriebsbeginn. Seit 2018 ist Rain am Lech hinzugekommen und dort will die Südzucker die Verarbeitung der Biorüben konzentrieren.

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass andere Fabriken wie Lage, Nordstemmen Anbauverträge anbieten in großem Umfang. Davon wird rege Gebrauch gemacht. Die höheren Transportkosten schlagen zu Buche, machen den Anbau aber weiter lohnend.


Aus der Presse

WB v. 30.12.2019: "Ein Abschied mit Wehmut - Letzte Kampagne der Zuckerfabrik Warburg beendet". Mit Fotostrecke.
 

 Der Rückblick der BI (Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal) gibt einen Eindruck von einem Teil der Aktionen gegen die Schließung der Fabrik.111 BI zur Zuckerfabrik 2019 11 14 11 02 01 Greenshot