1933 wurde der Reichsnähstand gebildet als eigenständige Körperschaft. Der Partei-Einfluss nahm im Lauf der Zeit zu, aber formell blieb der Reichsnährstand unabhängig. Daraus resultierte auch seine Laufzeit in die Nachkriegszeit bis 1948, um die schlechte Versorgungslage nicht noch mehr zu gefährden. Die Mitarbeiter blieben unbeschadet und waren von den Nürnberger ausgenommen.   


Unter dem großen Schirm des Reichsnährstandes wurden alle Bereiche der Agrar- und Ernährungswirtschaft eingegliedert. Auch alle Berufsvertretungen und die Ladwirtschaftskammer und die Genossenschaften waren betroffen. 

Die Abteilungen waren: Der Mensch (Ideologie) - Der Hof (Beratung, Produktion) – Der Markt (Verteilung, Preise).   

 Die agrarpolitische Maßnahmen der NS-Zeit waren

  • Das Reichserbhofgesetz (Erbhöfe, einschließlich Abmeierung beim Anerbengericht)

  • Die Entschuldung (Die Schuldensumme wurde um 10-20 % verringert)

  • Marktordnungen und 4-Jahres-Pläne der Erzeugung

  • Einführung der Hofkarten zur Erfassung des Betriebes und Naturalerträge, verbunden mit einer intensiven Wirtschaftsberatung und Förderung wie Silobauten und einfache Hoftechnik. Der 12er Deutz  wurde der Bauernschlepper. Die Produktion von Landmaschinen wurde im Krieg bald wieder eingestellt. 

  • Brotgetreide wurde zum heiligsten Gut der Nation stilisiert
  • Festgesetzte Preise und Maßnahmen zur Schließung der Fettlücke (heimische Ölsaaten und Futtermittel)

  • Die Devisenknappheit bremsten Treibstoffverbrauch und Maschinenanwendung  

  • Lebensraum im Osten als Vision zur Sicherung der Ernährung

 

Das Schlagwort von der Erzeugungsschlacht kam 1934 auf. Diese wurde zu einem wichtigen Element der Kriegsvorbereitung. Die Selbstversorgung stieg von 16 % (1028) auf 83 % (1939). Ein Problem blieb die Fett-Lücke (Speiseöl, Butter, Margarine), Um die Produktion insgesamt zu erhöhen gab es viele Veranstaltungswellen mit Themen wie Düngung, Tierfütterung, Schädlinge, Vorratshaltung usw. Während es Kriege sanken die Erträge und Leistungen wieder wegen Mangel an Betriebsmitteln. 

Im August 1937 wurde die Bewirtschaftung eingeführt. Für vieles wurden Bezugsscheine eingeführt und Waren beschlagnahmt wie Kartoffel, Brot, Fleisch. Milch und wurden bezugsscheinpflichtig. Auch landwirtschaftliche Betriebsmittel sowie Kohle, Brennstoffe, Leder waren betroffen. Die Lebensmittelrationierung mit Lebensmittelkarten war die Folge. die Bauern hatte gewisse Reserven und konnten sich besser ernähren. Schwarzschlachten ging nur mit größter Vorsicht. Propagandistisch wurde die Landwrtschaft gelobt, aber fachlich und wirtschaftlich verharrte weitgehend im alten Rahmen und wurde somit vernachlässigt.   


Die Landwirtschaft war sehr arbeitsintensiv - und sie blieb es bis weit in die 1950er Jahre! Ohne fremde Arbeitskräfte konnten ein mittlerer Hof kaum bewirtschaftet werden. Die produktions- Ernteverfahren und ei Stallarbeit - alles weitgehend in Handarbeit. Ein großes Problem war die Abwanderung von Arbeitskräften in die Städte. Der anhaltenden Landflucht steuerte man entgegen durch Sonderprogramme wie das 1938 eingeführte Pflichtjahr für Mädchen, das in ländlichen und städtischen Haushalten abzuleiten war zur Entlastung der Bäuerinnen vor allem. Landjahrheime für die Mädchen wurden ab 1934 eingerichtet, so auch in Brakel-Hainhausen.

Gespanne wie Pferde, Zugochsen und -kühe waren die wichtigsten Energiemittel. Zehn Prozent der Pferde mussten für die Wehrmacht bereit gestellt werden, die Milch- und Fleischleistung der Tiere ging zurück.   

Von den 1,5 Mio. Kriegsgefangen (1943) wurde die Hält in der Landwirtschaft eingesetzt. Wie diese zu behandeln waren und sie fast ohne Privatleben auskommen mussten, wurde streng überwacht.     

1944 wird Deutschland selbst Kampfgebiet und die vielen zunehmenden Evakuierten werden auf Höfen untergebracht. 

 Großkundgebungen wie der Reichsbauerntag Goslar und das Reichserntedankfest Bückeburg wurden jährlich zelebriert.

  
Literatur

  • Bauern im südwestfälischen Bergland, Bad 1 und Band 2.(2006)..Westfälisches Schiefer- und Bergbaumuseum Holthausen e.V.  Ardey-Verlage, Taschenbuch. S. 74-85 (NS-, Kriegs- und Nachkriegszeit).

  • Eckehard Niemann (2018): Nationalsozialistische Agrarpolitik. In: Agrar-Hinweise v. 06.12.2018  

Foto: Wikipedia Ortsbauernführer

schild Der Ortsbauernführer

 Weitere Aspekte

Bereits vor 1933 gab es umfangreiches Schrifttum über die neue Agrarpolitik Walter Darré.  Der spätere Landwirtschaftsminister (Reichsbauernführer) hatte seine Visionen dargelegt, den Blut- und Boden- Germanenkult begründet, welcher auf dem Blut der Sippen und der ländlichen Bevölkerung beruhehen soll. Das Bauerntum war der Blutquell der Nation.  

Ein beachtlicher agrarpolitischen Apparat war schon vor der Machtübernahme entstandn

Die Führer-Struktur sah aus wie folgt

  • 1 Reichsbauerführer
  • 22 Landesbauernführer
  • 521 Kreisbauernführer
  • 50.153 Ortsbauernführer

Juden wurden als Nicht-Arier systematisch benachteiligt, ausgegrenzt und schließlich vollständig entrechtet. In der Landwirtschaft und in Städten hatten Juden traditionell großen Anteil am Produktenhandel, am Viehhandel und an Metzgereien. In Brakel gab es das bedeutende Landhandelsunternehmen, die Weiler-Heineberg-Flechtheim-AG. Viele jüdischen Kaufleute verkauften rechtzeitig Hab und Gut und wanderten aus. Ab Ende 1938 wurde der jüdische Besitz an Immmobilien und Ländereis per Gesetz „arisiert“.