In der Nachkriegszeit sind viele Aussiedlungen durchgeführt worden. Für die Städte war die Voraussetzung für eine moderne Entwicklung. In den Dorflagen gab es so Platz für die Infrastruktur und moderen Wohnbau.
Im Außenbereich waren Aussiedlerhöfe privilegierte Bauvorhaben und mit zinslosen Darlehn u. a. gefördert. Dank konzentrierter staatlicher Unterstützung wurden viele Verfahren durchgeführt.
Wohnhäuser und Stallgebäude wurden in standardisierter Bauweise errichtet. Bald war ein kombinierter Stallbereich nicht mehr zeitgemäß und die Betriebe mussten sich erweitern. Dabei konnten sie die hinzu gekommenen Umweltauflagen eher erfüllen als andere. Ein Betriebsentwicklungsplan wurde erst ab ca. 1970 üblich. Relativ teuer war die Einrichtung der Infrastruktur (Strom, Wasser usw.).
Der Gemischtbetrieb hatte bald keine Perspektive mehr. Ab Ende der 1960er Jahr kam die Spezialisierung für einen tierischen Hauptbetriebszweig und die Spezialisierung auf.
So mussten die gerade erbauten Aussiedlerhöfe sich neu orientieren. Dazu gab es zwar reichlich Empfehlungen und teilweise Prämien von Seiten der Politik und Beratung, aber andererseits war auch der Arbeitsmarkt günstig. So haben die meisten Betriebsleiter die landwirtschaftliche Produktion aufgegeben. So wurde bereits nach 15-20 Jahren nur noich die Hälfte der Aussiedlungen Im Haupterwerb bewirtschaftet. 50 Jahre später sind es nur noch unter 10 Prozent.
Einen Hinweis über die Fehlplanungen gibt es im Artikel "Beratung" von Dr. Hermann Wiesendahl im Heft "100 Jahre Landwirtschaftsschule Warburg von 1985" (S. 28). Er schreibt, viele Aussiedlungen waren betriebswirtschatlich nicht fundiert und ohne Beratung erfolgt.
Die Flächenausstattung der Siedlerstellen für die Ostvertriebenen umfasste meist nur 11-12 ha, teilweise auch 15 ha. Damit war ein Überleben doppelt schwer.
Anzahl der Aussiedlungen im Kreis Höxter
Alois Hanfgarn (in: WLV-Kreisverband Höxter 1988, S. 54) nennt diese Zahlen
- ca. 250 für den Altkreis Warburg und
- ca. 200 im Altkreis Höxter
- Die Neusiedlerstellen gibt er mit ca. 80 an.
Literatur
- Vgl. Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben 12/2026: „Brilon als Labor der Landwirtschaf“
Ab Mitte der 1950er Jahre siedelten 37 Höfe aus den Ortslagen von Brilon aus. Die Höfe und Flächenausstattung sollten ein Modell für ganz Deutschland werden.
Sie bestehen aus.
- Kopf (Wohnhaus, Küche mit Durchreiche zum Wohnzimmer)
- Hals (Übergang mit Waschraum und evtl. Kleinvieh)
- Rumpf (moderner Anbinde-Stall für Kühe)
Brilon (12.000 E.) war zuvor zeitweise Realteilungsgebiet und diese Struktur der Landwirtschaft mit den engen Hoflagen hatte keine Zukunft. Heinrich Lübke (1894-1972), der spätere Bundespräsident, vorher Landwirtschaftsminister in NRW und im Bund war ein Verfechter der neuen Ordnung.
Es entstanden 37 Höfe, mindestens 3 km außerhalb, in der bereinigten Feldflur. Die Zielgröße waren 15 ha. Sie waren für 1,6 Ak ausgelegt,und sehr arbeitsintensiv. Im Schnitt kosteten die Höfe 100.000 DM, die zinslosen Darlehn und Kredite waren für ca.25 Jahre Tilgung ausgerichtet.
Die Briloner Höfe sind das Modell der Landwirtschaft der Nachkriegszeit. Das Freilichtmuseum Detmold möchte einen solchen Hof (als Bau- und Alltagsdokument) überführen lassen. Diesen Plan gibt es seit ca. 2020, aber es stehen 5 Mio. Euro Kosten im Raum.

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